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Argumente
Auf dieser Seite stellen wir einige unserer Argumente dar, die gegen Kopfnoten sprechen. Diese Liste ist nicht als vollständige Liste zu verstehen, sondern eher als Steinbruch: Entdecken Sie neue Argumente, nehmen Sie überzeugende Argumente mit. Lassen Sie sich überzeugen und / oder nutzen Sie die Argumente für eigene Diskussionen. Ergänzen oder kritisieren Sie die Liste per Mail.
Vergleichbarkeit
Da es trotz schulinterner Kriterienkataloge und Bewertungsbögen (mit Indikatoren) recht unterschiedliche Auffassungen unter bewertenden Kollegen darüber geben wird, was z.B. Zuverlässigkeit und Sorgfalt konkret heißen soll, ist eine Vergleichbarkeit der Kopfnoten nicht gegeben. Auch wenn man im Einzelnen Kriterien wie „halten Absprachen gewissenhaft und zuverlässig ein“ als mehr oder weniger erfüllt ansehen kann, so können verschiedene Lehrer wegen unterschiedlich gesetzter Schwerpunkte doch zu sehr unterschiedlichen Einschätzungen kommen. Der Bewertungsspielraum ist schlichtweg zu groß!
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Objektivität und Subjektivität
Der Forderung nach gerechten Noten, die objektiv nachvollziehbar sein sollen, versuchen Lehrer in ihrem Handeln und Bewerten nach Möglichkeit gerecht zu werden. Gleichwohl spielt in unserem Beruf – der Pädagogik bzw. Erziehung von jungen Menschen - die Subjektivität eine bedeutende, positive Rolle. Jeder Lehrer muss alltäglich subjektiv Position beziehen und ist mit seiner Persönlichkeit geradezu aufgefordert dies zu tun. Er kann seine Bewertungen, Disziplinierungen etc. zwar transparent machen und sollte dies auch möglichst tun. Objektiv im Sinne der Allgemeingültigkeit werden sie dadurch jedoch nicht. Was als pädagogisches Prinzip sinnvoll ist, wird bei der Kopfnotenvergabe zum Problem: Ziffernnoten oder vergleichbar objektivierende Kategorien wie Formelsätze suggerieren bzw. fordern eine Objektivität ein, die prinzipiell nicht und daher unmöglich erreichbar ist.
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Die Gefahr des Missbrauchs von Kopfnoten
Grundsätzlich besteht die Gefahr, dass Kopfnoten affektiv, gleichsam als Quittung bzw. Vergeltung für diverses Fehlverhalten vergeben werden. Im Unterschied zu Fachnoten wird aufgrund der mangelnden Objektivierbarkeit die Überprüfung und Rechtfertigung einer Kopfnote immer schwieriger bzw. nahezu unmöglich sein. Bei der Fülle der zu vergebenden Noten ist nicht auszuschließen, dass das Korrektiv der anderen Fachkollegen hier versagt.
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Bestätigung negativer Selbstbilder
Noten sind motivierend, wenn sie gut sind. Wenn das Gegenteil der Fall ist, regen sie jedoch die meisten Schüler nicht zu einer Verhaltensänderung an. Viel zu oft kommt es einfach zur Übernahme der negativen Außenbewertung ins Selbstbild oder zur individuellen Umwertung dieses Urteils.
Häufig bieten sich eine Reihe von alternativen („Außenseiter“-)Rollen an, zu denen negative Bewertungen passen und auf die kompensierend zurückgegriffen werden kann. Kopfnoten in diesem Bereich führen tendenziell dazu, Schüler auf ihre Rollen festzulegen bzw. als Urteil über die eigne Persönlichkeit wahrgenommen zu werden.
„Wären Kopfnoten ein Medikament, müssten sie wegen Nebenwirkungen verboten werden.“ (Baldur Bärtling)
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Schülerverhalten als Spiegel des Lehrerverhaltens
Ein Schüler verhält sich immer in einem Kontext, zu dem andere Schüler, aber auch der Lehrer gehören. Sich bewusst zu machen, selbst Auslöser für Schülerverhalten zu sein, gar einen Spiegel im Verhalten der Schüler vorgehalten zu bekommen ist eine Erkenntnis erfahrener Pädagogen, die es verbietet, ohne Rücksicht auf diesen Kontext vom Verhalten eines Schülers zu sprechen. Beziehungen zwischen Lehrer und Schüler und deren Störungen sind somit zwangsläufig Teil dessen, was der Lehrer vermeintlich neutral zu beobachten meint.
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Und wer sagt mir, was ein Schüler für ein sehr gut „leisten“ muss?
Oder andersherum: Was muss „sich ein Schüler leisten“ um z.B. unbefriedigend im Sozialverhalten zu stehen. In den Rahmenrichtlinien und Lehrplänen der einzelnen Fächer werden Kompetenzen definiert. Im Schulgesetz heißt es, dass nur bewertet werden darf, was gelehrt wurde.
Das Vakuum an Richtlinien wird schulintern sehr unterschiedlich gefüllt. Dadurch ist Vergleichbarkeit und letztendlich Gerechtigkeit nicht mehr gegeben. Frau Sommer verweist darauf, dass sich alle fürs erste an die Kopfnoten gewöhnen müssen. In dieser „Gewöhnungsphase“ dürfen wir die Richtlinienarbeit des Ministeriums übernehmen und müssen bei „falscher“ Handhabung der Kopfnoten eventuell noch mit Tadel rechnen?
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Zuverlässigkeit und Sorgfalt - eine Kopfnote für die Eltern?
Zuverlässigkeit und Sorgfalt gehen bereits in die Fachnote mit ein, wenn es sich z.B. um die Bewertung von Heften handelt. Im Fachkontext bettet … Eine Herausstellung bringt die bereits beschriebenen Probleme mit sich, insofern einzelne Ereignisse, die in den Bewertungsrahmen der einzelnen Fächer gehören, durch die Verallgemeinerung zu einem Charakter-Siegel werden. Auch hier gilt, die Bewertung von Zuverlässigkeit und Sorgalt ist nur relativ in Bezug auf den Kontext, in dem dieses Verhalten verlangt und beurteilt wird, zu bewerten. Und in diesem Kontext wird für Schüler auch alljährlich neu definiert, was und wie die Lehrerin es denn haben will, ein ordentliches Heft, eine Hausaufgabe etc. Hier rüber gibt es sicher auch unterschiedliche Auffassungen unter den Lehrern.
Benotet wird hiermit allerdings – ohne es zu wollen und doch ohne dass man es ausschließen kann – die Mitarbeit und Kooperation der Eltern mit der Schule. Vielleicht sollte man Eltern darüber ein eigenes Zeugnis ausstellen, auf keinen Fall aber sollten Kinder für ihre Eltern haften. Denn die Selbstständigkeit von Schülern ist allgemein nicht zu überschätzen, der Einfluss des Elternhauses darf entsprechend nicht unterschätzt werden. In diesem Zusammenhang ist nochmals darauf hinzuweisen, dass gerade Schüler aus problematischen Familienverhältnissen durch diese Benotung zusätzlich benachteiligt werden.
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„Das kannst du eigentlich besser!“ Echt?
Von der Unmöglichkeit Leistungsbereitschaft objektiv zu bewerten!
Leistungsbereitschaft ist im Unterschied zur objektiv gezeigten Leistung eines Schülers eine subjektive Kategorie. Sie ist bloß relativ in Bezug auf die Leistungsfähigkeit eines einzelnen Schülers zu bestimmen. Und hier liegt auch schon das Problem. Schätzen Lehrer das wirklich immer richtig ein? „Der kann mehr!“ „Die strengt sich nur nicht genug an!“ Stimmen diese Aussagen wirklich oder handelt es sich hierbei nicht vielmehr um mehr oder weniger aus der Luft gegriffene Mutmaßungen, die subjektiven Bildern von Schülern entsprechen. Die Benotung der Leistungsbereitschaft durch den Lehrer entspricht im Grunde einer Selbstbestätigung seiner subjektiven Theorien.
Oder sollte man – um diesem Mangel an Objektivität abzuhelfen - zum Maßstab für aktuelle Leistungsbereitschaft gleichsam als Referenz die zuvor gezeigten Leistungen anlegen? Schüler werden ihrem Lehrer (insgeheim) oft nicht zustimmen, wenn dieser pädagogisierend bloß eine Formschwäche unterstellt, wenn sie in Wirklichkeit an einer Verständnisschwäche leiden, weil das neue Thema eben nicht das alte ist. Konnten Schüler in der Vergangenheit noch aufmunternde Teilanerkennungen entgegen nehmen, müssen sie in Zukunft vehement widersprechen, wenn der Lehrer ihnen unterstellt, „das kannst du doch eigentlich besser!“ Denn so retten sie wenigstens ihre Leistungsbereitschaftsnote.
Wir wissen nicht wirklich sicher, was ein Schüler kann und was nicht und sollten auch nicht so tun!
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Pauschalisierung
Ein Lehrer kann sich noch so viel Mühe geben, in seiner Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens gewissenhaft und differenziert vorzugehen, er wird dennoch nicht verhindern können, dass seine Bewertung mit der Erteilung der Kopfnote auf dem Zeugnis pauschalisierend wirkt. Alle Mühe im Prozess der Bewertung geht im Moment der Umwertung in eine Ziffernnote (bzw. die entsprechende Formulierung) verloren. Welche Beobachtungen oder Ereignisse im Einzelnen herangezogen worden sind, ist aus dem Zeugnis nicht zu ersehen.
Ein Schüler wird mit dieser Benotung generalisierend zu einem mehr oder weniger bzw. gar nicht „zuverlässigen, leistungsbereiten, sozialen“ Schüler, was im Unterschied zu Fachnoten insbesondere mit dem Persönlichkeitsbezug der Kopfnoten zu tun hat.
Schüler werden mit diesen Noten also immer pauschal (ab)qualifiziert.
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"Endlich können schwache Schüler mit Kopfnoten glänzen!"
Ein immer wieder vorgetragenes Argument der Befürworterseite lautet, eine getrennte Bewertung böte Gelegenheit auch das Engagement leistungsschwächerer Schüler zu würdigen. Schwächere Schüler könnten somit durch gute Kopfnoten glänzen bzw. diese kompensieren. Dem muss entgegen gehalten werden, dass eine solche Notenkombination wohl eher zu Ungunsten des Schülers interpretiert werden wird, insofern sie die Aussagekraft der schlechten Fachnoten geradezu unterstreicht, nach dem Motto „bemüht sich zwar, aber kann es einfach nicht!“
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Banalisierung menschlichen Verhaltens
Kann bzw. sollte man menschliches Verhalten in normierten Kategorien (Indikatoren) messen? Menschliches Verhalten zu verstehen erfordert Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis. Doch bleiben subjektive Motive oder soziale Hintergründe meist verborgen. Verhalten aber bloß auf der Oberfläche des Beobachtbaren zu bewerten stellt eine gewaltsame Komplexitätsreduktion dar, die das Phänomen „Sozialverhalten“ banalisiert.
Darüber hinaus bringt der objektivierende Charakter von Ziffernnoten ein Rechtfertigungsproblem mit sich, vor das sich jeder Lehrer gestellt sieht. Um die Noten gegenüber Schülern wie Eltern zu rechtfertigen, sind Lehrer angehalten, zu „objektiven“ Daten zu greifen, die ihr subjektives Urteil über die Schülerpersönlichkeit bestätigen. Dass diese Auswahl willkürlich, perspektivisch und eingeschränkt bleibt und eine Ziffer zuletzt wie ein aufgedrücktes Siegel wirken muss, sollte zur Vorsicht im Umgang mit Kopfnoten gemahnen.
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Konfliktverhalten - auch das wird immer noch benotet
Auch wenn „Konfliktverhalten“ und „Kooperationsbereitschaft“ - die angreifbarsten, weil in ihrer praktischen Widersprüchlichkeit und Unzulänglichkeit schwächsten Kopfnoten - gestrichen wurden, so bleiben sie dennoch als Teil der Sozialverhaltensnote im Bewertungsbereich. Tatsächlich sind diese Aspekte des Sozialverhaltens in der pädagogischen Arbeit äußerst wichtig, allerdings nicht zu benoten.
Alle Lehrer, die ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen, stellen sich der Aufgabe, das Sozialverhalten ihrer Schüler im Rahmen der Klassenbildung und weiterer Gruppenprozesse nicht nur im Unterricht zu fördern. Konflikte sind Teil dieses Prozesses und - pädagogisch richtig verstanden - positive Gelegenheiten, soziales Verhalten zu lernen. Die Zeiträume, in denen dieses Lernen stattfindet, sind meist von längerer Dauer, und der Erfolg bleibt oft diskret bzw. lässt sich nicht als Leistung eines einzelnen Schülers ausmachen und bewerten. Abgesehen davon, dass es absurd wäre, die prozesshafte Lösung eines Konflikts für die spätere Bewertung zu „protokollieren“, bleibt der Blick von außen auf Personen immer beschränkt, und es kann gelegentlich nötig sein, sich völlig herauszuhalten. Wo eine Gruppe mühsam ihren Konsens erstritten hat, ist es fatal, durch Bewertungen Unterschiede zu machen. Hier muss getreu anerkannter pädagogischer Grundsätze auf die Subjektivität in der Bewertung durch die Schüler selbst bestanden werden. Lehrer, die sich – in Verkennung ihrer Moderatorenrolle - gleichsam als salomonische Streitschlichter verstehen, werden dem natürlich nicht zustimmen können.
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Individuelle Benotung komplexer Gemeinschaftsprozesse
Schülern wird der Zahlenwert einer Note meist erst im Vergleich mit ihren Klassenkameraden klar. In einer 5. Klasse, in der es um die Herausbildung einer starken, loyalen Klassengemeinschaft geht und in der sich alle nach ihrem Vermögen bemühen, zueinander zu finden, kann eine nicht einheitliche Notengebung im Sozialverhalten zu Irritationen bzw. zu dem Gefühl führen, nicht in gleicher Weise angenommen zu werden wie andere. Anstatt auf gesunde Weise Individualität in der Gemeinschaft zu fördern, wird dadurch ein ungesundes Differenzbewusstsein – mehr oder weniger zu gelten – geschult. Dies birgt die Gefahr, dass Schüler sich vor allem darauf konzentrieren, dem Lehrer zu gefallen – zur Integration aller Charaktere und Kräfte in einer Klasse führt dies nicht.
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Bewertungsfreiheit und soziales Lernen
Gesamtschulen nehmen das Thema „soziales Lernen“ nicht erst seit der Einführung der Kopfnoten im Schuljahr 2007/08 wahr. Die zahlreichen „Institutionen des sozialen Lernens“ sind ein Beleg dafür. Sie schärfen das soziale Profil und den guten Ruf unserer Schulform seit langem. Schulen, die dieses Thema in der Vergangenheit eher vernachlässigt und dem privat-familiären Bereich zugeschrieben haben, mag der Grundsatz „was etwas gelten soll, muss benotet werden“ vielleicht aus der Perspektive der Unerfahrenheit noch plausibel erscheinen. Denkt man genauer darüber nach oder verfügt man über ausreichend Erfahrung auf diesem Gebiet, weiß man jedoch: Es verhält sich gerade umgekehrt. Sich in einer Klassengemeinschaft sozial zu verhalten gilt unter Schülern wie selbstverständlich als hohes Gut, weil es unmittelbare Vorteile für jeden bringt. Und seine Geltung erhält es nicht erst durch Benotung, sondern weil es unabhängig davon gemeinsam angestrebt wird. Sich sozial zu verhalten bedarf also keines vermeintlichen Notenverstärkers, sondern muss der viel wertvolleren Einsicht aus Erfahrung auf Seiten der Schüler folgen.
Wie wichtig bewertungsfreie „Räume“ sind, um authentisches Verhalten zu ermöglichen, kennt man auch von außerschulischen pädagogischen Programmen, die gerade wegen des fehlenden Notendrucks auf diesem Gebiet erfolgreich arbeiten können. Bewertungsfreie Räume sind wie ungeschützte Biotope in der Lebenswelt Schule und sollten eigentlich ein Grundrecht sein.
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Was man nicht unterrichtet, sollte man nicht bewerten dürfen.
„Junge Menschen aus zerrütteten, haltlosen Familien werden durch Kopfnoten nicht individuell gefördert, sondern zusätzlich benachteiligt, solange ihnen die Schule kein systematisches Training des Arbeits- und Sozialverhaltens anbieten kann.“ (Marianne Demmer, stellv. Bundesvors. GEW)
Daher ist es besser, Zeit in die Förderung des Sozialverhaltens zu investieren, als in die bürokratische Verwaltung einer Sozialmatrix aus Verdiensten und Delikten gemäß Indikatorenliste. Dass an jeden Schüler Anforderungen zu stellen sind, steht außer Frage, jeder Schüler sollte in seinem Verhalten aber auch geeignete Unterstützung erhalten, nicht bloß beurteilt werden. Man ist einmal mehr an den Spruchweisheit erinnert: „Vom Wiegen wird keine Sau fett!“
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Lieber echte Vorbilder und Erfahrungen, als Kopfnoten
Woran sollten sich Schüler orientieren? Wollen wir Menschen, die sich bloß aus Angst vor Sanktionen bzw. schlechten Kopfnoten, also bloß konventionell verhalten? Oder wollen wir Menschen erziehen, die guten Beispielen aus Überzeugung folgen und noch eigene Erfahrungen machen dürfen? Der Anpassungsdruck im schulischen Umfeld ist aufgrund bestehender Normierungsinstrumente bereits enorm groß. Schüler müssen das Gefühl haben, sich nicht nur durch völlige Anpassung, sondern auch durch unbequemes, abweichendes Verhalten und Denken behaupten zu dürfen, worin ein wichtiges gesellschaftliches Potential liegt.
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Pädagogische Unwirksamkeit der Sozialverhaltennote
Eine effektive Reaktion auf ein Fehlverhalten sollte nach Möglichkeit im unmittelbar zeitlichen Zusammenhang erfolgen und nicht erst am Ende eines Schuljahres – ein bewährter pädagogischer Grundsatz. Wer die Strichlisten an Tafeln von hilflosen, verzweifelten Lehrern einmal in ihrer Unwirksamkeit und Paradoxie erkannt hat, weiß, dass wie bei Autofahrern ein „Heransaufen“ zu den gängigen Verhaltensmustern auch von Schülern gehört. Es ist eine Einladung zum Spiel, und mit jedem Strich steigt die Spannung: Bingo! Drohungen wie „das könnte sich auf deine Sozialverhaltensnote auswirken“ bleiben genauso unwirksam wie die skizzierte Praxis, weil sie keine fassbare Konsequenz, sondern eine in der Zukunft evtl. noch ausgleichbare und weit entfernte, hypothetische Größe darstellen. In dieser Kopfnote verschmelzen wie im Fegefeuer alle Missetaten zu einer abstrakten Zahl, die fast schon verharmlosend und exkulpierend wirkt. Man zahlt eben nur einen Preis am Ende des Schuljahrs und muss sein Verhalten nicht ändern. Wie bei der Flensburger Kartei gewöhnt man sich an die Logik der Schulverkehrsordnung. Na dann Prost!
Auch sollte einmal die Überlegung angestellt werden, ob Eltern für ihre familiäre Erziehung auf ein vergleichbares Mittel zurückgreifen würden. Sicher nicht!
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"Extremen Problemschülern muss man doch Grenzen aufzeigen."
„Aber man muss doch ein Instrument in der Hand haben, um Schülern klar Grenzen aufzeigen zu können, die machen, was sie wollen!“
Wer mit schwierigen Disziplinverhältnissen vertraut ist, weiß wie wenig Kopfnoten im Unterschied zu ernsthaften Gesprächen und der Androhung bzw. dem Vollziehen von Sanktionen von Nutzen sind. Man muss eine klare Linie ziehen können, die deutlich macht, wo pädagogisches Verständnis unangebracht und der effektive Schutz der Opfer angezeigt ist. Gegen Kopfnoten zu sein heißt nicht, alles Fehlverhalten zu tolerieren. Im Gegenteil, die Kopfnoten quittieren bloß die Verantwortung für eine wirksame pädagogische Intervention.
Es ist auch nicht einzusehen, warum alle Schüler darunter leiden sollen, dass man nach einem Instrument gesucht hat, solcher Art Fehlverhalten den Eltern zu spiegeln. Warum man gleich alle Schüler über den Sozial-Scanner ziehen muss, auch die, die keine Probleme bereiten, ist überhaupt nicht einsehbar.
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